Es gibt Gesichter, die kennt man einfach. Gesichter, die einen durch die Kindheit begleitet haben, die zum Alltag gehörten wie das Mittagessen oder die Tagesschau. Vera Int-Veen ist so ein Gesicht. Über drei Jahrzehnte lang war sie eine der präsentesten Moderatorinnen des deutschen Fernsehens – erst mit ihrer täglichen Talkshow „Vera am Mittag“, die über 2.000 Mal ausgestrahlt wurde, später mit Formaten wie „Schwiegertochter gesucht“ oder „Mietprellern auf der Spur“. Sie wurde geliebt, sie wurde gehasst, sie wurde kopiert und sie wurde kritisiert. Doch 2022 zog sie einen Schlussstrich – leise, aber konsequent.
Heute, im Jahr 2026, ist Vera Int-Veen 58 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Ehefrau Christiane „Obi“ Obermann in Potsdam, genießt ihren Ruhestand und meldet sich nur noch selten öffentlich zu Wort. Doch wenn sie es tut, dann hat es Gewicht – wie im September 2026, als sie sich oben ohne bei einer Mammografie filmte, um Frauen die Angst vor der Brustkrebsvorsorge zu nehmen. Es ist eine andere Vera Int-Veen, die wir heute sehen. Eine, die nicht mehr jeden Tag vor der Kamera steht, aber immer noch etwas zu sagen hat.
Die frühen Jahre: Von Lank-Latum nach München
Vera Int-Veen wurde am 21. September 1967 in Lank-Latum geboren, einem Ortsteil von Meerbusch bei Düsseldorf. Über ihre Kindheit und Jugend ist wenig bekannt – sie selbst hat sich nie in den Mittelpunkt gestellt, was ihre Herkunft angeht. Nach ihrem Abitur studierte sie zwischen 1989 und 1993 Politische Wissenschaften und Jura in München. Doch schon während ihres Studiums stand sie vor der Kamera: Sie moderierte erste Fernsehsendungen, darunter die Kindershow „Ping Pong“. Es war der Beginn einer Karriere, die sie selbst wohl nicht in dieser Größenordnung erwartet hatte.
„Vera am Mittag“: Ein Genre, ein Jahrzehnt, eine Institution
Am 22. Januar 1996 startete auf Sat.1 eine Talkshow, die das deutsche Nachmittagsfernsehen für immer verändern sollte: „Vera am Mittag“. Moderiert wurde sie von Vera Int-Veen – damals 28 Jahre alt, unbekannt, aber mit einer natürlichen Präsenz, die Zuschauer sofort in ihren Bann zog. Die Sendung lief werktags um 12 Uhr, wurde in Potsdam-Babelsberg produziert und beschäftigte 210 Mitarbeiter. Produziert wurde sie von Int-Veens eigener Firma, der time 2 talk Show Int-Veen GmbH, die sie im Jahr 2000 gegründet hatte.
„Vera am Mittag“ war mehr als eine Talkshow. Es war ein Forum für Sorgen, Schicksale und Sehnsüchte im Alltag. Menschen erzählten von ihren Ehen, ihren Schulden, ihren Ängsten, ihren Träumen. Und Vera Int-Veen hörte zu – mit großer Anteilnahme, wie es in einem Nachruf auf die Ära hieß. Über 2.000 Sendungen kamen zusammen, bis Sat.1 am 25. Juni 2005 die Produktion einstellte und den Vertrag nicht verlängerte. Die letzte Folge lief am 13. Januar 2006. Für Int-Veen war das kein geplanter Abschied. „Dann hieß es von heute auf morgen: Jetzt ist Schluss. Das hat mich getroffen“, sagte sie Jahre später dem Stern.
Es war ein Schock, aber auch ein Wendepunkt. Int-Veen musste sich neu erfinden – und sie tat es.
Der Wechsel zu RTL: „Schwiegertochter gesucht“ und der Kult um Beate
Nach dem Ende von „Vera am Mittag“ wechselte Int-Veen zu RTL, wo sie ab 2006 mit verschiedenen Formaten präsent war. Zunächst moderierte sie die Doku-Soap „Helfer mit Herz“, in der sie Familien unterstützte, die unverschuldet in Not geraten waren. Doch der große Erfolg kam 2007 mit „Schwiegertochter gesucht“.
Das Format war einfach und effektiv: Einsame Junggesellen – oft aus ländlichen Regionen, oft mit skurrilen Hobbies und noch skurrileren Vorstellungen von der großen Liebe – suchten nach einer Partnerin. Int-Veen begleitete sie, half bei der Auswahl, kommentierte mit trockenem Humor. Der Erfolg war enorm. Über 14 Jahre lang lief die Show, und Figuren wie die kultige Beate wurden zu echten TV-Ikonen. Int-Veen war nicht mehr nur die Talkmasterin vom Nachmittag – sie war die Kuppel-Mutter des deutschen Fernsehens.
Doch sie machte auch andere Formate. „Verzeih mir“, „Das große Abnehmen“, „Irene und Beate – Das hat die Welt noch nicht gesehen!“ – Int-Veen war vielseitig, und sie blieb es bis zuletzt.
Der Skandal: Als „Mietprellern auf der Spur“ zum Problem wurde
So erfolgreich ihre Karriere war, so sehr gab es auch Schattenseiten. Die vielleicht dunkelste Kapitel ihrer Laufbahn begann 2011 mit der RTL-Doku-Soap „Mietprellern auf der Spur“. Int-Veen sollte Vermieter unterstützen, die von ihren Mietern geprellt wurden – ein Format, das auf den ersten Blick nach sozialer Gerechtigkeit klang, aber schnell in die Kritik geriet.
Im Juli 2011 berichtete die Bild-Zeitung, dass Int-Veen und ihr Kamerateam sich Zutritt zur Wohnung einer schwerbehinderten Frau verschafft hätten, während diese nicht anwesend war. Der 17-jährige Sohn, der eine Schule für geistig Behinderte besuchte, habe das Betreten der Wohnung mehrfach abgelehnt. In der ausgestrahlten Sendung jedoch war ein deutliches „Ja“ zu hören – ein „Ja“, das laut Rohmaterial auf eine ganz andere Frage gegeben und nachträglich an die entsprechende Stelle geschnitten worden war.
Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten (ZAK) urteilte später: „Die verfälschende, nachträgliche Bearbeitung des Filmmaterials war ein Verstoß gegen journalistische Grundsätze.“ RTL räumte den Fehler ein und trennte sich vom zuständigen Schnittproducer. Für Int-Veen war der Imageschaden enorm. Die einstige „Helferin mit Herz“ stand plötzlich als Teil eines Systems da, das für Quote über Ethik stellte. Sie selbst verteidigte sich, verwies auf die Produktionsfirma und betonte, sie habe nicht gewusst, dass Szenen manipuliert worden seien. Doch der Makel blieb.
Privatleben: Eine späte Liebe, ein spätes Glück
Über ihr Privatleben sprach Vera Int-Veen lange Zeit kaum. Das änderte sich 2019, als sie ihre Ehefrau Christiane „Obi“ Obermann erstmals öffentlich vorstellte. Die beiden kannten sich schon seit den 1990er-Jahren, doch erst sieben Jahre nach dem Kennenlernen wurden sie ein Paar. 2016 heirateten sie – den Heiratsantrag machte Int-Veen auf der französischen Tropeninsel La Réunion. „Ich habe gesagt: Du bist die Liebe meines Lebens und ich möchte, dass wir das vor Gott und der ganzen Welt herausschreien“, erzählte sie später.
Kinder hat das Paar keine. „Mit dem Verstand von heute und zwanzig Jahre jünger hätten wir wahrscheinlich auch welche adoptiert“, sagte Int-Veen 2019. Doch es sollte nicht sein. Was geblieben ist, ist eine tiefe Verbundenheit – und die gemeinsame Leidenschaft für Reisen. „Reisen ist eine große Leidenschaft von mir“, sagte Int-Veen. Im Ruhestand wollen die beiden eine Hochzeitsreise nachholen, die bisher nicht stattgefunden hat: einmal um die Welt.
2022: Der leise Abschied vom Fernsehen
Im März 2022 verkündete Vera Int-Veen das Ende ihrer TV-Karriere. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist! Nach 30 Jahren im Fernsehen widme ich mich jetzt anderen Projekten und freu mich entspannt auf alles, was da kommt“, teilte sie der dpa mit. Zuvor hatte sie die Nachricht in einem Instagram-Video verkündet.
Für viele Fans kam das überraschend. „Schwiegertochter gesucht“ war zuletzt 2021 gelaufen, die Zukunft des Formats war ungewiss. Doch Int-Veen wollte nicht mehr. Sie zog sich zurück – nicht aus Bitterkeit, sondern aus einem klaren Gefühl heraus, dass es genug war. „Ich möchte schon noch einmal kreuz und quer durch die Welt“, sagte sie. Und sie hat es getan.
Das Vermögen: „Ja, ich habe ausgesorgt“
Über Geld spricht man nicht – es sei denn, man ist Vera Int-Veen. 2023 verriet sie in einem RTL-Interview, dass sie sich dank ihrer Talkshow seit vielen Jahren Millionärin nennen darf. „Ja, ich habe ausgesorgt“, sagte sie. Und weiter: „Meine Frau und ich haben 30 Jahre lang viel Geld verdient, das wir gut angelegt haben. Wir müssen nicht mehr arbeiten.“ Schätzungen zufolge beläuft sich ihr Vermögen auf mehr als 1,5 Millionen Euro – vermutlich deutlich mehr. Investiert hat sie unter anderem in Immobilien und Aktien, wie sie in einem Podcast verriet. Ein Leben ohne finanzielle Sorgen – das ist das Ergebnis von drei Jahrzehnten harter Arbeit im Fernsehgeschäft.
2026: Ein persönlicher Appell, der unter die Haut geht
Ganz verstummt ist Vera Int-Veen auch im Ruhestand nicht. Im September 2026 sorgte sie für Schlagzeilen mit einer Aktion, die alles andere als alltäglich war: Sie filmte sich oben ohne bei einer Mammografie und veröffentlichte das Video auf Instagram. Ihr Ziel: Frauen die Angst vor der Brustkrebsvorsorge zu nehmen.
„Darf ich das eigentlich filmen, diese Mammografie?“, fragt sie zu Beginn des Videos. Dann lässt sie die Kamera laufen – während der Untersuchung, während der Piepston ertönt, während die Maschine hochfährt. „Es tut nicht weh, wirklich nicht, Leute“, sagt sie. „Das dauert, das ganze Prozedere, bis die Brust drin liegt, vielleicht 15 Sekunden. Das Foto noch einmal zwei, drei Sekunden. Ihr seid in drei Minuten durch und ich sag’s euch: Das kann Leben retten.“
Der Grund für diese ungewöhnliche Aktion ist zutiefst persönlich: Ihre enge Freundin Andrea Plewig erkrankte im Sommer 2024 an Brustkrebs. „Wir haben’s ja bei Andrea gesehen, deswegen ist mir das so wichtig“, sagt Int-Veen. Andrea Plewig ist eine bekannte TV-Moderatorin, die unter anderem „Astro Royal“ moderierte. Die beiden Frauen verbindet eine enge Freundschaft, die auch in schweren Zeiten hält.
Und diese schweren Zeiten sollten nicht enden. Im Januar 2026 verlor Andrea Plewig bei einem Silvesterunfall mit einem Böller ihr linkes Auge. Vera Int-Veen war tief schockiert. „Als ich von Andreas schrecklichem Unfall hörte, war ich zutiefst schockiert und bin einfach in den Autopiloten gegangen“, sagte sie. „Nicht nur meine Frau und ich, sondern unser gesamter Freundeskreis sind für Andrea da.“ Es ist diese Loyalität, die Vera Int-Veen auszeichnet – eine, die sie nicht nur vor der Kamera gezeigt hat, sondern auch im echten Leben.
Was macht Vera Int-Veen heute?
Vera Int-Veen lebt mit ihrer Ehefrau Christiane „Obi“ Obermann in Potsdam. Sie genießt ihren Ruhestand, reist viel, kocht gerne und investiert – unter anderem in Gewürze, Öl und Essig, wie sie verriet. Ein Fernseh-Comeback ist nicht geplant. „Ich bin Privatier“, sagt sie über sich selbst. Und das scheint sie zu genießen.
Ihre Geschichte ist die einer Frau, die das deutsche Fernsehen über Jahrzehnte geprägt hat – mit einer Talkshow, die ein Genre definierte, mit einer Kuppelshow, die Kultstatus erreichte, und mit einem Skandal, der an ihrem Image kratzte. Sie hat geliebt, gelitten, moderiert, produziert und irgendwann beschlossen, dass es genug ist. Vera Int-Veen hat sich immer treu bleiben können – auch wenn das manchmal unbequem war. Heute ist sie eine Frau, die weiß, was sie hat, was sie will und was sie nicht mehr braucht. Und vielleicht ist das die beste Rolle, die sie je gespielt hat.
